Grüne nach der Wahl – Feiern, mit breiter Brust weiterkämpfen und vor allem: Auf dem Teppich bleiben.

Nachdem die Grünen bei der Europawahl bundesweit ein Rekordergebnis eingefahren haben wird natürlich heiß diskutiert, welche Auswirkungen dieses Ergebnis hat. Ich empfehle einen klaren Fokus auf die Inhalte und warne vor Überreaktionen und „dummen Fehlern“ die schnell Enttäuschungen produzieren können.

Was für ein Abend! Grüne knacken bei der Europawahl bundesweit die 20%-Marke und fahren auch sonst top Ergebnisse ein (Bremen, Kommunalwahlen, Abstimmungen). Wahrlich ein guter Grund zu feiern und stolz zu sein auf das Erreichte.

Und es ist nicht nur die Schwäche der anderen! Die richtigen Themen wurden gesetzt, klare Haltung gezeigt & vermittelt und Angebote unterbreitet, die nicht immer nur kritisieren & problematisieren, sondern vor allem auch realistisch aufzeigen, wie es besser geht.

Nachwahlbefragungen unterstreichen die aktuelle Stärke der Grünen: klarer Wertekompass, der von den Wählern geteilt wird; klarer Fokus auf die Beantwortung anstehender Zukunftsfragen und ja, natürlich auch der Markenkern als Umweltpartei. Das zusammen mit externen Faktoren – Klimakrise wird immer deutlicher, FridaysForFuture, #Rezo etc. – führte zur perfekten Welle.

In einer Zeit, da vieles in Frage gestellt wird und hart erkämpfte Errungenschaften der vergangene Generationen aufgeweicht werden, stehen die Grünen als eindeutiger, positiver Antipol gegen rückwärtsgewandte Politik und da darf es aus meiner Sicht auch keine Kompromisse geben.

CDU will – wie immer – einfach nur den Status Quo erhalten. Der Generalsekretär formulierte seine (persönliche?) Sorge am Wahlsonntag sehr direkt: „Wir müssen den bestehenden Wohlstand schützen!“ Und hat damit die zentrale Herausforderung der nächsten Jahre auf den Punkt gebracht, der sich auch – oder insbesondere – die Grünen stellen müssen: Der notwendige Wandel zu Klimagerechtigkeit, sozialem Ausgleich und rechtlicher Gleichstellung aller Menschen ist auch ein Verteilungskampf. Verbesserung ohne Veränderung wird es nicht geben und der westliche Wohlstand auf Kosten von Umwelt, Sozialstandards und Lebensbedingungen in anderen Regionen der Welt ist eine der Hauptursachen für die globalen Probleme, die es zu lösen gilt.

Als Demokrat kann mir der Zustand von SPD und Linken nur Sorge bereiten. Die Sozialdemokraten haben ihren Kompass final verloren und jegliche Versuche, doch mal wieder einen echten Markenkern herauszuarbeiten werden vom eigenen Apparat konsequent bekämpft. Die Reaktionen auf Kevin Kühnerts Vorstoß zur Vergesellschaftung sprechen Bände. Und die Linke kann selbst von der Schwäche der SPD nirgends profitieren. Unklare Haltungen zu Europa; die alte Tour „Wir fordern einfach mehr, deshalb sind wir konsequenter – egal ob sinnvoll oder nicht“; eine permanente Selbstbeschäftigung – alles keine gute Darstellung im politischen Raum. Da tut mir jede*r Genoss*in leid, die vor Ort ehrlichen Herzens und mit viel Energie versuchen, im Glauben an die Sache das Richtige zu tun. Das Problem: a) Linke Mehrheiten sind aktuell fast nirgends in Sicht denn selbst eine starke Grüne kann die Schwäche von SPD & Linken nur teilweise kompensieren. Und b) von der Schwäche von SPD & Linken profitiert insbesondere in großen Teilen Ostdeutschlands vor allem die Rechte.

Das ist dann auch schon die Einschränkung des allgemein großartigen Wahltages: Während völkisch-nationale Parteien in Westdeutschland wenig Boden gut machen konnten und auch europaweit der befürchtete „Durchmarsch“ klar ausgeblieben ist konnten in ostdeutschen Bundesländern neue Erfolge verbucht werden. Das muss mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen allen Demokrat*innen ernsthaft Sorge bereiten.

Wenn Gauland die Grünen als „Hauptgegner“ ausmacht und feststellt, seine und die grüne Partei seien „am weitesten voneinander entfernt“ hat er absolut recht. Genau deshalb gilt: Mit Fokus weitermachen, klar Position beziehen und Haltung bewahren.

In Gesprächen am Wahlkampfstand und darüber hinaus kam immer wieder ein Thema auf: Vertrauen. Vertrauen darin, dass die Grünen es wirklich anders machen und nicht auch nur beim großen Postenverteilen mitspielen wollen – bessermachen und nicht nur absahnen. Vertrauen darin, das wir die Herausforderungen nicht nur verstanden haben, sondern ernsthaft und konsequent Lösungen angehen – gestalten und nicht nur moderieren. Vertrauen darauf, dass unser Versprechen von Basisdemokratie und Transparenz ernst gemeint ist und umgesetzt wird – zuhören, verstehen, ernstnehmen, ohne einfach nur nachzuplappern. Vertrauen darauf, dass die Grünen gegebene Verantwortung auch annehmen und nicht weglaufen, sobald es schwierig wird.

Die Grünen haben beste Ausgangschancen, sich nachhaltig als relevante politische Kraft zu etablieren – als echte Bündnispartei in einer zunehmend fluiden Demokratie wichtige Themen zum Erfolg zu bringen. In der TAZ steht heute, „Die Grünen bewegen sich inhaltlich nicht auf die Mitte zu. Es ist umgekehrt. Die Mitte bewegt sich auf die Grünen zu.“ Dem stimme ich zu. Zumindest ein relevanter Teil der Bevölkerung ist fraglos bunter, weltoffener, solidarischer und umweltbewusster geworden und diese Menschen finden sich mit ihren Werten, Erwartungen und politischen Wünschen schon lange bei den Grünen zu Hause.

Wer politische Dynamik versteht, weiß, dass es genau darum geht: Antworten auf aktuelle Fragen, auf Entwicklungen, auf neue Themen anbieten. Herausforderung ist es dabei, nicht in vermeintlichen „Wahrheiten“ steckenzubleiben, sich auf veränderte Anforderungen einzustellen und dabei gleichzeitig nicht „Verrat an der eigenen Sache“ zu begehen. Das macht es etablierten Parteien so schwer, sich neuen Themen zu nähern.  Wer bleiben will muss sich verändern – was in der Wirtschaft gilt stimmt nun einmal auch für politische Parteien. Wie wenig die klassischen „Volksparteien“ das hinbekommen ist einerseits bedauerlich, andererseits aber selbstverschuldet. Wenn ein Apparat nur noch auf Selbsterhalt und Reproduktion bestehender Strukturen aus ist, bleibt kein Raum für nachhaltige Veränderung.

In aller Deutlichkeit: Vor dieser Gefahr sind auch die Grünen nicht gefeit. Anzeichen von Selbstzufriedenheit, elitärem „Wir wissen schon ganz genau, was gut für die Bürger ist“ und Verliebtheit in einst gewonnene Ämter, Funktionen und damit einhergehende Privilegien gab es auch bei Grünen schon zu beobachten. Umso wichtiger, dass die Grünen jetzt den Ball flach halten und allen (menschlich vielleicht verständlichen) Neigungen zum Übermut nicht nachgehen. Klar ist, mit solch einem Wahlergebnis haben die Grünen alles Recht der Welt, noch stärker die Umsetzung eigener Positionen einzufordern. Das erwarten die eigenen Wähler. Gleichzeitig haben wir eben nicht 50+% gewonnen. Das bedeutet in einer Demokratie, Bündnisse zu schmieden – inklusive dafür notwendiger Kompromisse. Inhaltlich basiert, klar entlang des eigenen Wertehorizonts und nicht Posten einsammeln auf Kosten eigener Erkennbarkeit.

Wichtig ist und bleibt: Zuhören! Und ich kann nur empfehlen, vermeintliche „Stammwähler“ nicht als gegeben hinzunehmen. Auch Wählerbindungen müssen immer wieder gepflegt, gar erneuert werden – auch die Zugehörigkeit zum grünen Milieu ist kein Automatismus, wenn es um Wahlentscheidungen geht. Deshalb: Nicht so sehr darüber nachdenken, wie noch mehr neue Zielgruppen gewonnen werden können sondern auf bestehende Wähler konzentrieren, deren Erwartungen und gemachte Versprechen einlösen. Dann klappt es auch bei nächsten Wahlen – egal ob aus der Opposition oder Regierungsbeteiligung heraus.

Mobilität ganzheitlich denken – dann klappt es auch mit der Verkehrswende!

Mobilität ist Daseinsfürsorge. Statt halbherzigem Wettbewerb sollte eine starke Bahn in öffentlicher Hand gesichert werden, mit der die dringend nötige Verkehrswende möglich wird.

Die Schlagzeilen waren Toni H. sicher: Grüner fordert die Zerschlagung der Deutschen Bahn. Ich gebe zu, ich war sehr irritiert und bin es noch immer.

Keine Frage, zurzeit läuft es nicht rund bei der Bahn – wer könnte davon besser berichten als ein leidgeprüfter BC100-Reisender, der in manchen Wochen berufsbedingt nicht nur einmal, sondern mehrfach kreuz und quer durchs Land fährt und dann am Wochenende dank Fernbeziehung auch noch hin und her pendelt. Verspätungen und Ausfälle sind Regel, nicht Ausnahme. Defekte Züge sind Standard und irgendwie ist immer irgendwas: Bistro kaputt, fehlendes Personal, fehlende Wagen, falsche Reihung Toiletten defekt, Reservierungsanzeige fehlerhaft – name it. Und dann sind da ja noch die fremdverschuldeten Störungen: Tiere & Personen im Gleis, Leute, die vor Züge springen, Autofahrer, die glauben „sie schaffen es noch“.

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Der Bund der Steuerzahler – Alle Jahre wieder … nix als Propaganda!

Einmal im Jahr neoliberale Propaganda pur – und die Medien schreiben wie immer fleißig und ungeprüft ab. #BundDerSteuerzahler #Schwarzbuch

Einmal im Jahr neoliberale Propaganda pur – und die Medien schreiben wie immer fleißig und ungeprüft ab.
Deshalb hier mal zur Einordung Wikipedia zum Thema:

Der Anspruch des Bundes der Steuerzahler, die Interessen aller Steuerzahler zu vertreten, wird von dem Politologen und SPD-Mitglied Peter Lösche als „Teil einer PR-Strategie“ bezeichnet.[8] Von der Mitgliederzusammensetzung seien im Bund vor allem mittelständische Unternehmer und Freiberufler vertreten; von der programmatischen Ausrichtung her konvergiere er mit der FDP.[8]

Auch in einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wird dargelegt, dass der BdSt kein repräsentatives Abbild der steuerzahlenden Bevölkerung darstellt. Die Mitgliederstruktur wirke sich auf die politischen Forderungen des Steuerzahlerbundes aus: schlanker Staat und niedrige Steuersätze.[17] Diese Einschätzung deckt sich mit den Erkenntnissen, die eine Studie für das Ressort Jugendarbeit und -politik im Vorstand der IG Metall bereits ein halbes Jahr vorher gewonnen hatte.[18] Wolfgang Lieb (SPD) bezeichnet die Studien des BdSt als „sozialstaatsfeindlich“[19], Kai Eicker-Wolf und Patrick Schreiner werfen dem Bund vor mit dem Namen „Etikettenschwindel“ zu betreiben[20], Karl Weiss warf in der Berliner Umschau dem Bund im April 2010 Manipulation von Statistiken vor.[21]

Peter Lösche kritisiert auch eine Kooperation mit der Hamburg-Mannheimer Versicherung sowie die Höhe der Gehälter des ehemaligen Präsidenten Karl Heinz Däke: Durch Aufsplitterung in drei verschiedene Gehälter (als Präsident des Bundesverbandes, als Präsident des Karl-Bräuer-Instituts und als Vorstandsmitglied des Bundes der Steuerzahler in NRW) verschleiere Däke sein Gesamteinkommen in Höhe von 187 000 Euro.[22]

Zudem konstruiere der BdSt laut Thomas Trares volkswirtschaftlich ungebräuchliche Kenngrößen, mit denen er eine möglichst große Steuerbelastung suggeriere.[23]

Der Spiegel warf dem Steuerzahlerbund vor, dass von ihm „angeprangerte Skandale sich allzu oft eher als Skandälchen herausstellten, die zudem aus Rechnungshofberichten abgeschrieben worden waren“.

Raute hat fertig

So wenig aufgeregt wie sie regiert hat: Merkel organisiert ihren Abgang. Überrascht sollte niemand mehr sein. Eine Zäsur ist es in jedem Fall.

Ich könnte mich jetzt als guten Propheten darstellen, aber sind wir alle mal ehrlich: Die Prognose, dass nach Hessen eine Veränderung ansteht, brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten.

Kanzlerin Merkel hat also angekündigt, dass ihre Nachfolge ansteht. Und alle sind wieder ganz, ganz aufgeregt. Was im politischen Geschäft als normaler Vorgang gelten sollte, verursacht wieder vor allem eines: viele Spekulationen. Die Medien überschlagen sich mit Prognosen, Sondersendungen und Eilmeldungen – jeder will Erste*r sein.
Alles so langweilig aber fein, kann ich auch mitmachen und meine Gedanken zum Besten geben:

  • Respekt! Wenige Menschen in solch einer Macht/Verantwortungsposition schaffen es, ihren Abgang organisiert anzugehen statt irgendwann aus dem Amt gehievt zu werden wenn es schon längst nur noch peinlich ist.
  • Respekt! Bei aller inhaltlichen Kritik bei so vielen Themen: Dass Frau Merkel es geschafft hat, so lange so konsequent und nachhaltig ihr Ding durchzuziehen ist eine Leistung, die ihr den Eintrag in die Geschichtsbücher verdient.
  • Vorsicht! Nicht zu Unrecht wird Frau Merkel seit langem vorgeworfen, immer „auf Sicht zu fahren“. Ich teile die Kritik an einer Politik, die vor allem von Umfragen getrieben und „pragmatisch am Wind“ gesteuert wurde. Und gleichzeitig fürchte ich, dass das Pendel komplett umschlägt und statt sachlicher problemlösungsorientierter Politik wieder eine viel zu lang bekannte und verachtete Politik der „dicken Eier“ zurückkommt: Wer am lautesten schreit bekommt Recht, wer die drastischsten Vorschläge macht, dem wird zugehört, wer ausgrenzt schafft sich Mehrheiten – das ist keine Kultur, die ich zurückhaben möchte.
  • Schade! Mir fallen so viele Gründe ein, weshalb ich mich über den Abgang von Frau Merkel freuen würde. Verbunden wird er aber mit einem – aus meiner Sicht – so falschen Narrativ. Nicht ihr Versagen in der Umweltpolitik, ihr Zaudern bis zum Schluss in der Dieselaffaire, ihre schlechte Sozialpolitik etc. sind die Dinge, die zum Abgang führen sondern genau dieser eine Moment, in dem sie einfach nur human gehandelt hat. Eine angebliche Grenzöffnung wird ihr vorgeworfen von all den dumpfen „Merkel-muss-weg“-Rufern – wo seit Schengen gar keine Grenzen mehr bestehen.
  • Achtung! Bei all der unvernünftigen Aufregung gehen einige andere, viel spannendere Themen leider unter.
    1. In ihrer Erklärung hat Merkel der aktuellen Bundesregierung ein mieses Arbeitszeugnis ausgestellt und deutlich gemacht, dass es um viel mehr als Kommunikationsprobleme geht: Arbeitskultur, die abstößt! Qualität der Arbeit ist nicht gewährleistet! – Überraschend selbstkritisch, bedenkt mensch, dass sie noch immer die Chefin ist und weiterhin Richtlinienkompetenz hätte.
    2. Der zentrale Störenfried Seehofer und seine CSU-Jünger sollten jetzt nicht unter den Radar geraten. Aussitzen und einfach weitermachen ist nicht!
    3. Die weiterhin umwelt- und gesundheitsfeindliche Politik der CDU (Diesel, Braunkohle etc.) darf nicht weiter durchgehen – während sinnlos spekuliert wird, wer nun alles den Hut in den Ring wirft, wird z.B. im Hambacher Revier der Konflikt weiter eskaliert, Schleifen von Pressefreiheit inklusive.
  • Und jetzt? Jetzt kommen sie aus ihren Löchern. Der Kampf um die Nachfolge in der CDU hat begonnen mit erwarteten und überraschenden Kandidat*innen. Und die Medien freuen sich über eine schöne Schlacht um Parteivorsitz und Kanzleramt – dabei eines vergessend: Wer sagt eigentlich, dass der/die nächste CDU-Vorsitzende auch Kanzler*in wird? Hab nochmal im Grundgesetz nachgesehen, Erbhöfe konnte ich nicht finden. Liebe Union, sortiert Euch, findet Euch. Es ist Euch und dem Land nur zu wünschen, dass ihr einen Markenkern (wieder)findet, der eine verbindende, werte-orientierte, stabilisierende Politik betreibt ohne den Rückgriff auf alte, vergangene Zeiten, ohne das abrutschen ins rassistische, diskriminierende, ausgrenzende. Letzteres würde Euch nicht bekommen und die Rechten nur weiter stärken – Ersteres wäre als Schutzmauer gegen alte und neue Nazis dringend nötig. Ich werde diese konservative Politik immer kritisieren und für andere, progressive Inhalten streiten – dass auch diese Seite im demokratischen Spektrum realistisch abgebildet werden muss weiss ich und respektiere das.
  • Die anderen bringen sich ja alle schon in Stellung und hoffen auf Fallout-Effekte. Was und wieviel sich materialisieren wird muss sich erst noch zeigen. Wer jetzt sofort Neuwahl ruft sollte zumindest auch ne Idee haben, mit welchen Inhalten dann dort angetreten werden soll. Bei den Grünen habe ich da wenig Sorge, ansonsten schon. Ich hoffe inständig, SPD und auch Teile der Grünen versuchen nicht, einfach nur die ggf. enstehende Lücke in der Mitte „zu füllen“. Eine Erneuerung für die SPD mit eigenen, dringend notwendigen Markenbotschaften wäre das nicht. Und für die Grünen – erfolgreich wie noch nie in ihrer Geschichte – sollte der Fokus auf einem konsequenten Durchhalten der aktuellen Strategie liegen: Klare, eigene Inhalte – in der Sache eindeutig, in der Form wertschätzend, gewinnend und konstruktiv-pragmatisch vertreten.

Mäßigt Euch!

Populistische, faktenfreie Entrüstungsrethorik ist ein echtes Problem für die politische Kultur. Zeit, das mit Links zu überwinden. Positive Beispiel gibt es zur Genüge.

Es ist spannend zu sehen, wie jetzt wieder gerätselt wird. Gerade noch war die Demokratie in Deutschland von Rechts massiv unter Beschuss und plötzlich werden mit Erfolgen von Links echte Achtungszeichen gesetzt. Ich behaupte: Eine positive, optimistische Haltung wird honoriert wo sie konsequent gelebt sichtbar ist. In Berlin hat Rot-Rot-Grün eine stabile Mehrheit und mit Klaus Lederer ist dort ein Bürgermeister unterwegs, der entgegen dem üblichen Linken-Image Spaß an Politik macht und genau damit begeistert. Und die aktuellen Erfolge der Grünen hängen maßgeblich an der klar konstruktiv-positiven Botschaft von Habeck und Baerbock – eindeutig in der Sache, fest in den grünen Kernthemen und gleichzeitig immer offen für den Diskurs und wertschätzend im Umgang mit Wählern wie politischen Konkurrenten. Darauf, finde ich, lässt sich aufbauen – das sind Formen der Kommunikation, die Brücken bauen, gestalten wollen und hoffentlich noch viel mehr Erfolg haben.

Wer heute in modernen, mitarbeiterorientierten Unternehmen Personalverantwortung übernimmt lernt viel darüber, wie wichtig positive Kommunikation ist: Ausbau der Stärken statt permanenter Fokus auf Schwächen; strukturiert-konstruktives Feedback das die Weiterentwicklung unterstützt; klare Ansagen in der Sache, wertschätzender Umgang in der Form. Warum das Ganze? Weil in der Personalführung längst verstanden wurde, dass Menschen motiviert werden wollen und dass sie genau dann ihr Bestes geben, wenn sie Wertschätzung für Ihre Arbeit, für Ihre Qualifikation und ihre Erfahrung erleben. Wer immer nur in Angst vor der nächsten Maßregelung – im schlimmsten Fall auch noch öffentlich – unterwegs ist wird niemals produktiv oder gar kreativ sein sondern „Dienst nach Vorschrift“ leisten oder direkt in die „innere Kündigung“ wechseln. Um ganz klar zu sein: Unternehmen sind vor allem an möglichst produktiven Mitarbeitern interessiert und glückliche Mitarbeiter sind günstiger zu halten als wenn ich Unzufriedenheit mit dem Job durch hohes Gehalt kompensieren muss. Das kann mensch natürlich kritisieren – es funktioniert trotzdem und wird in der Regel von beiden Seiten als Win-Win-Situation betrachtet.

Entsprechend bin ich irritiert, wie konsequent dieses Wissen um die Wirkung positiver Kommunikation in großen Teilen der Politik ignoriert werden.
Dass die Rechte vor allem mit Angstmache, Ausgrenzung und Ablehnung, mit Unterstellungen und Falschmeldungen agiert ist nicht neu und wird wohl immer elementarer Teil ihrer Strategie bleiben – weil ihre Zielgruppe dafür affin ist, ihre Ziele damit so effektiv zu erreichen sind und sie die negativen Folgen für die politische Kultur wissentlich und willentlich in Kauf nehmen, teilweise gar beabsichtigen.
Umso ärgerlicher finde ich es, dass auch auf der Linken eine Sprache prägend ist, die oftmals nur genau eines zum Ziel zu haben scheint: Recht haben und die andere Seite maximal verächtlich machen. Und je linker die eigene Position, desto mehr Menschen gehören ganz offensichtlich zur „anderen Seite“. Zur Rechthaberei habe ich vor gut zwei Jahren schon einmal geschrieben und es stimmt leider weiterhin jeder Satz.
Und der von mir geschätzte Erik Flügge schrieb vor einigen Jahren ein spannendes Buch zur Sprache der Kirche (Der Jargon der Betroffenheit) das genauso gut auch hätte von der politischen Linken handeln können.

Diese Art der linken politische Kommunikation ist – so wirkt es mit wenigen Ausnahmen – immer problemorientiert, verbissen und rechthaberisch (manche nennen es dogmatisch) und vor allem destruktiv: Anti, anti, anti… Das Problem daran? Wer so kommuniziert hat nie eine Chance, im Rahmen demokratischer Mechanismen echte Erfolge zu feiern. Jeder erreichte Fortschritt ist immer zu wenig. Jeder noch so kleine Kompromiss, der in die richtige Richtung weißt, ist keine 100%ge Erfüllung des Versprochenen. Jeder Erfolg für die eigene Sache wird sofort relativiert – Ja, aber… Jedes Zugeständnis an aktuelle politische Partner ist sofort ein Verrat an der Sache.
Live zu beobachten bei den Linken, bei Teilen der Grünen und auch bei Teilen der SPD sobald an der Regierung beteiligt. Nicht zu beobachten bei den ganz linkslinken Sekten – weil sie nie in der Gelegenheit kommen (werden) politisch relevant zu sein und frei von jeder Gefahr der Verantwortung einfach immer gegen alles sein können. Und genau da liegt die Krux: Wer so agiert kann, will und wird nicht gestalten – mit Rechthaben ist in einer Demokratie kein Staat zu machen, das geht nur in absolutistischen Regierungsformen. Was viel zu oft fehlt? Die positive Geschichte, die konstruktiven Gestaltungsvorschläge, echte Alternativangebote, für die zu kämpfen Spaß machen würde.

Beispiele? Einführung Mindestlohn – hat die politische Linke zusammen mit Gewerkschaften lang für gekämpft – Erfolg: Ja, aber… 8,50€ sind zu wenig. Atomausstieg – hat die Umweltbewegung lang für gekämpft – Erfolg: Ja, aber… viel zu langsam. 240.000 Tausend Menschen demonstrieren in Berlin für eine solidarische, inklusive, bunte, weltoffene Gesellschaft – Großartig! Ja, aber… da waren auch welche dabei, die haben mal  die israelische Regierung kritisiert. Immer mehr Menschen achten im Privaten auf nachhaltigen, fairen Konsum – Hervorragend! Ja, aber… das können sich nicht alle leisten und das Kohlekraftwerk läuft ja immer noch weiter.

Wer glaubt, mit dem Kopieren rechter Kommunikationsstrategien progressive Politik machen zu können ist auf dem falschen Weg. Können wir es uns wirklich leisten, in Zeiten wie diesen immer noch vor allem im eigenen politischen Lager hart um maximale Abgrenzung zu kämpfen statt die Gemeinsamkeiten zu suchen und zu nutzen? Ich denke, #Unteilbar war diesbezüglich Botschaft und Auftrag gleichermaßen: Kommt zusammen, überwindet die Unterschiede und arbeitet an dem, auf das Ihr Euch einigen könnt!

 

 

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