In Trauer

Ich bin traurig. Betroffen. Bewegt. Und trotzt alledem: #FreiheitStattAngst #Breitscheidplatz

Ich bin traurig. Betroffen. Bewegt.

Ich bin froh, dass kein Freund oder Verwandter betroffen ist. Und es mindert die Trauer um die Opfer nicht.

Wir haben immer gewusst, das kann passieren. Die Sicherheitsbehörden sahen es als wahrscheinliches Szenario an. Und es mindert die Betroffenheit nicht.

Ich weiß, jeden Tag sterben überall in der Welt viele Menschen – in Kriegen, an Hunger, durch Verbrechen, an Krankheiten oder einfach „nur“ in Unfällen. Es macht den Wahnsinn eines Anschlags nicht kleiner, weniger bedeutsam. Ja, Leid und sinnlose Opfer gibt es jeden Tag, überall in der Welt. Jeder wache Geist kann nur weitermachen im Streiten für eine bessere, friedlichere Welt. Ohne Hass und Pauschalvorverurteilung.

Ich persönlich dachte mir immer, die Chance, es könnte mich irgendwann mal erwischen ist nicht groß aber real. Ich bin viel unterwegs, gern unter Menschen und vor allem mit Öffentlichen oder im Flieger unterwegs – traditionell Kandidaten für durchgeknallte Typen. Damit konnte und kann ich leben.

Das Bewusstsein, es könnte Freunde, Familie, liebe Kollegen treffen, ist etwas Anderes. Das dies auch in meinem geliebten Berlin passiert, an einem Platz den ich sehr gut kenne, macht es noch einmal realer als alle vorherigen Vorfälle: Wir sind verletzlich.

Auch ich mache mir Sorgen. Und ich werde mich trotzdem nicht zu Hause verstecken. Was für ein Leben wäre das denn, wenn wir die Zeit, die wir auf der Erde haben nur noch in Angst verbringen? Was für ein Leben wäre das denn, wenn wir nicht mehr feiern, die Zeit mit unseren Lieben genießen, einfach eine schöne Zeit haben könnten?

Was mich wirklich wütend macht sind Menschen, die meinen, aus verständlicher Betroffenheit und Verunsicherung politisches Kapital zu schlagen. Die in ekelhafter Weise hetzen und regelrecht Schadenfroh sind – bis sich vielleicht doch noch herausstellt, dass es alles nicht war, wie es scheint. Wütend machen mich aber auch die Medien, die aus Angst, zu spät dran sein zu können lieber wild spekulieren und im Übrigen rechten Hetzern ungefiltert ein Podium geben. Und deren ständige Provokationen damit erst zum Erfolg verhelfen.

Wer den Rechtsstaat in Frage stellt, ganze Teile der Bevölkerung oder auch Gäste unseres Landes unter Generalverdacht stellt, wer Offenheit, Humanität und Freiheit einschränkt, schützt unsere Gesellschaft nicht – er zerstört ihre Fundamente! Und wer jetzt schon die nächsten Sicherheitsverschärfungen fordert macht sich selbst unglaubwürdig. Welchen Zweck hatten denn dann all die bisherigen Maßnahmen?

Ich möchte leben. Ich möchte eine gute Zeit haben. Ich möchte dies mit meinem Schatz, mit meinen Freunden, mit meiner Familie tun können. Das lasse ich mir weder von religiösen Fanatikern, Misanthropen, Demokratiefeinden oder allgemeinen Angstmachern nehmen.

Autor: tomatenfisch

If I can´t dance to it, it´s not my revolution. emotionale Dampfwalze eitle Rampensau immerwaehrender Besserwisser und trotzdem gibt es Leute die mich moegen. Verrückt. :-) Fav's: Stockholm; Punk; IndieRock; Dancing; Parties; Running; Vodka; NewEngland; RedSox; Tea; JellyBeans; Books; Movies; RadioEins and about thousand other things that make life worth living every single day...

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