Ode an mein Amerika

Gäbe es das „echte“ Amerika, es läge in Lanford, Illinois. Eine Horde von Everyday-Americans mit, für die damalige Zeit, im Fernsehen unerhört realistischen Alltagsproblemen: Schlechte Jobs aber nie den Optimismus verlieren. Immer den letzten Dollar dreimal umdrehen müssen und doch nie wirklich in Armut leben.

Mal für eine Minute angenommen, es gäbe das eine Durchschnittsamerika, von dem immer wahlweise mystisch glorifizierend oder verdammend abwertend die Rede ist, es wäre weder im Central Perks zu finden, wo sich die Friends trafen, noch in Miami, wo 4 Goldene Mädchen ihr Unwesen trieben. Es wäre auch nicht im Springfield der kleinen gelben Wesen, die irgendwie einfach nicht älter werden. Es wäre nicht im vollen Haus in San Francisco zu finden. Es wäre nicht die Familie des erfolgreichen schwarzen Arztes mit Haus in New York – so sympathisch die auch waren. Und schon gar nicht wäre dieses Amerika in Südkalifornien zu finden – wo eine ganze Batterie von Schülern immer wieder ihr Unwesen trieb: 90210, Orange County usw.

Gäbe es dieses „echte“ Amerika, es läge in Lanford, Illinois. Eine Horde von Everyday-Americans mit, für die damalige Zeit, im Fernsehen unerhört realistischen Alltagsproblemen: Schlechte Jobs aber nie den Optimismus verlieren. Immer den letzten Dollar dreimal umdrehen müssen und doch nie wirklich in Armut leben. Kinder, die früh lernen, sich um sich selbst zu kümmern und gleichzeitig dann doch sehr behütet aufwachsen.  Eine Familie, die alles andere als zimperlich, fein oder konventionell unterwegs ist und stattdessen ein klares und einfaches Verständnis von echtem Anstand hat – und auch lebt. Und um sie herum eine Stadt, der mensch so exemplarisch beim Niedergang zusehen kann, wie es so viele US-Gemeinden aller Größen in den letzte 30 Jahre erlebt haben, an denen wirtschaftliche Booms, neue Technologien und Reichtum irgendwie immer vorbeigingen und scheinbar nur die Rezessionen auch real spürbar waren. Weiterlesen „Ode an mein Amerika“